SchülerForscherSchülerForscher

Appetizer für Zukünftiges

Diese Seite ist zwar noch nicht vollständig online, dennoch bieten wir euch kleine Häppchen des großen Ganzen.

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Was ist SchülerForscher?

Früher meinte man zu wissen, dass Mobbing einfach zu lösen sei: Opfer und Täter bekommen jeweils eine Therapie und schon ist Mobbing gelöst. Das Problem: Dahinter steckt viel Arbeit und es kam nur wenig bei raus. Mobbing ist zielgerichtet, denn jemand will Macht und das funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Wenn die Klasse nicht mitspielt, findet Mobbing nicht statt.

Drehen wir den Spieß um: Schüler sind nicht nur Experten beim Mobben, sonder nauch Experten die Logik von Mobbing zu begreifen. Wir, die die hinter dieser Webseite stehen, können forschen. Ihr könnt helfen, die Ergebnisse von allen Seiten richtig zu beleuchten.

Wie forscht ihr?Zwei kleine Demonstrationen

Um Mobbing verstehen zu können, müssen viele psychologische Faktoren berücksichtigt werden. Wir haben zusammen mit dem Team von Quarks und Caspers zwei kleine Experimente durchgeführt, die zwei wesentliche Faktoren genauer beleuchten:

Workshops zu MobbingWir für euch zu Mobbing

Webseite schön und gut, aber wir würden euch gerne persönlich sehen, um mehr zu erfahren. Was habt ihr denn so im Angebot?

Vortrag & Workshop (vierstündig) oder Vortrag (zweistündig)

Wenn einer in der Klasse leidet und fast alle mitmachen, nennt man das Mobbing. Und das passiert, obwohl die meisten Schüler Mobbing doof und richtig unfair finden. Aber wenn es in der in der eigenen Klasse passiert, gelten andere Regeln.
Viele Aktivitäten gegen Mobbing scheitern, weil ein Fazit der Evaluationen großer Interventionsprogramme in der Praxis immer noch vernachlässigt wird: die effizienteste Prävention/Intervention kommt aus der Klasse selbst und ist in zwei von drei Fällen erfolgreich.
Die Fortbildung verbindet Vortrag und Training: Auf Basis der neusten Forschungsergebnisse wird die gruppendynamische Logik von Mobbing transparent und der anschließende Workshop sensibilisiert, wie die unterschiedlichen Mitschülerrollen den Mobbingprozess beeinflussen. In aktiven Übungen wird begreifbar, wo hemmend eingegriffen werden kann und weshalb sonst natürliche Beschleunigung des Prozesses wirkt.

Workshop
Kursdauer: 4 Stunden
Teilnehmer: 15 - 30 Personen wäre optimal
Honorar: 1000 Euro plus Reisekosten

Vortrag
Dauer: 2 Stunden
Teilnehmer: beliebig
Honorar: 850 Euro plus Reiskosten

Kontakt: Mechthild.Schaefer (at) psy.lmu.de

Workshop (zweitägig)

Mobbing ist funktionales Verhalten. Soziale Macht in fest gefügten Gruppen (Schulklasse, Abteilung) hierarchisch organisierter Systeme, wo Entkommen schwierig ist, wird missbraucht und ein physisch oder psychisch schwächeres Individuum attackiert und sozial degradiert, um die soziale Position des Täters aufzuwerten oder zu manifestieren. Die umgebende Gruppe wird – aus der Perspektive des Täters – zum manipulierbaren und manipulierten Agens. Ihre Aktionen gegen das Opfer und ebenso das Sich-Raushalten unterstützen einerseits die dominante Position des Täters, andererseits werden sie für das Opfer zur immer belastenderen und letztlich traumatisierenden Erfahrung, weil über die Zeit immer mehr mitmachen und kaum jemand mehr hilft. Das Opfer ist immer mehr isoliert und bekommt - nicht selten Ursache und Wirkung verwechselnd – von der Umgebung auch noch Schuld zu gesprochen: „Du bist ja ganz anders!“ oder „Du machst etwas falsch!“.
Im Workshop wird auf Grundlage der neusten Forschung zu Mobbing als gruppendynamischem Prozess nicht nur erarbeitet, wie sich die Logik von Mobbing entwickelt und welches untrügerische Kennzeichen dafür sind. Mit dem Wissen um die Elemente, die nötig sind und zusammenkommen müssen, damit Mobbing erfolgreich ist, wird zugleich der Blick geschärft, wo Umkehrpunkte sind und welche Ressourcen des Systems wie nutzbar sind, um Mobbing frühzeitig zu stoppen oder dem präventiv entgegenzuwirken.

Lehr – und Lernziele

  1. Was ist Mobbing?
    • Abgrenzung zum Konflikt
    • Straf- und zivilrechtliche Relevanz
    • Systemische Phänomene hierarchischer Systeme
    • Schadensbild von Mobbing
      1. Fluktuation der Falschen – was das System lernt
      2. Unfall- und Krankenstandshäufigkeit/Fehlzeiten (EHS Relevanz in Betrieben)
      3. Imageschaden für die Schule/den Arbeitgeber
  2. Was hilft gegen Mobbing?
    • (System verändern) Dynamiken transparent machen
    • Werte vorgeben und vorleben
    • Normen schaffen, die den Spielraum für Mobbing minimieren und Verantwortung explizieren
    • Routinen erstellen, wie mit dem Mobbinganfangsverdacht umgegangen wird
    • Perspektive auf das System ändern
  3. Wie schafft man nachhaltig Implementation im schulischen oder wirtschaftlichen Kontext?
    • Logik von Mobbing zum geteilten Wissen machen
    • Gemeinsame, d.h. von allen getragene Werte und Normen schaffen
    • Kommunikationswege praktizierbar gestalten und klar formulieren
    • Perspektivenwechsel als vielseitiges Tool implementieren

Kursdauer: 2 ganze Tage
Teilnehmer: 20-30 Personen (min. 20 Personen)
Betreuung: 2 Referenten/Trainer
Honorar: 100 Euro pro Teilnehmer pro Tag – plus Reisekosten (mit der dringenden Empfehlung für Organisationen einen zumutbaren Anteil davon den Teilnehmern selbst in Rechnung zu stellen).

Kontakt: Mechthild.Schaefer (at) psy.lmu.de (für Deutschland) und / oder Klaus.Starch (at) psy.lmu.de (für Österreich).

Workshop (zweitägig)

„Psychologische Intervention bei speziellen akuten Krisen“ (Schulpsychologie in Bayern, ISB, 2007) ist explizit als eines der zentralen Aufgabengebiete eines Schulpsychologen benannt. In der Praxis wird es aber auch zur Herausforderung für jeden Lehrer, wenn z.B. Todesfälle oder extreme Notsituationen die Schule als System treffen. Krisen und Krisenintervention sind auch ein angst- und unsicherheitsbehaftetes Thema. Persönliche Erfahrungen und im Studium oder dem Vorbereitungsdienst erworbenes theoretisches Wissen bleiben oft unverknüpft und der Transfer von deklarativem Wissen in prozedurales Wissen unvollständig, weil für die Erprobung der notwendigen Kompetenzen in praxisbezogenen Problemstellungen kein geeigneter Raum geboten wird. Der Workshop „Schulische Intervention bei akuten Krisen“ differenziert und schärft in der Reflexion individuell erlebter Krisen eine Definition des Erfahrungsraums Krise und der Umgangsmöglichkeiten damit, bietet auf Grundlage des Eisbergmodells Zugänge zur Intervention (z.B. bei Suizid) und expliziert als Praxisraum den beratenden, planenden und unterstützenden Aufgabenbereich des Schulpsychologen/Lehrers bei der Krisenintervention (sowie dessen Grenzen) ebenso, wie die relevanten juristischen Grundlagen. Die Teilnehmer erarbeiten praktische Kenntnisse und Techniken zur effektiven Unterstützung in Krisen im Wesentlichen in betreuten Kleingruppen und explorieren dyadische und systemische Szenarien in Rollenspielen. Die Brisanz des Themas und das nötige persönliche Engagement der Teilnehmer bei dessen Erarbeitung verlangen für diesen Workshop einen externen Lernort als schützenden Rahmen und eine intensive Betreuung.

Kursdauer: 2 ganze Tage
Teilnehmer: 20-30 Personen (min. 20 Personen)
Betreuung: 2 Referenten/Trainer
Honorar: 100 Euro pro Teilnehmer pro Tag plus Reisekosten (mit der dringenden Empfehlung für Organisationen einen zumutbaren Anteil davon den Teilnehmern selbst in Rechnung zu stellen)
Tagungsort: Bei der Auswahl des Tagungsortes sollte darauf geachtet werden, dass genügend Einzelzimmer für die Teilnehmer zur Verfügung stehen und der Tagungsort einen Seminarraum sowie genügend Platz für Kleingruppenarbeiten bietet.

Kontakt: Mechthild.Schaefer (at) psy.lmu.de (für Deutschland) und / oder Klaus.Starch (at) psy.lmu.de (für Österreich).

Was ist Mobbing?Erste gedruckte Antworten

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Fünf Fragen an ...

... Prof. Dr. Mechthild Schäfer von Susanne Koch, die für ReportPsychologie das Interview führte.

Susanne KochWas genau ist Mobbing – und wie grenzt es sich von anderen Konflikten ab?

Mechthild SchäferMobbing ist kein Konflikt. Ein Konflikt besteht darin, dass zwei Menschen oder Gruppen unterschiedliche und vor allem unvereinbare Meinungen, Interessen oder Forderungen haben und keine Lösung finden. Mobbing hingegen ist ein funktionales Verhalten: Der oder die Täter wollen an Status und Macht gewinnen und werten dazu ein Mitglied der Gruppe gezielt ab, instrumentalisieren es als Opfer. Dabei spielen nicht nur Opfer und Täter eine Rolle: Entscheidend ist die umgebende Gruppe – im Schulkontext etwa die Klasse –, denn nur sie kann Macht zugestehen.

Susanne KochUnd entweder Täter oder Opfer unterstützen.

Mechthild SchäferRichtig, im Rahmen von Mobbing-Prozessen nehmen Personen verschiedene Rollen ein. Ganz grob können diese einer Pro-Mobbing-Gruppe und einer Anti-Mobbing-Gruppe zugeordnet werden. Zur ersten Gruppe gehört der Täter, von dem das aggressive Verhalten ausgeht. Er übernimmt die Führung und übt Macht aus. Dann gibt es die Assistenten, die Wasserträger, die sich einspannen lassen und den Täter unterstützen. Zur Pro-Mobbing-Gruppe gehören aber auch die Verstärker, Kinder, die sich zwar selbst nicht die Hände schmutzig machen, aber durch ihren Beifall das Mobbing als richtig definieren und den Prozess verstärken. Insgesamt macht die Pro-Mobbing-Gruppe etwa 30 Prozent einer Klasse aus. Gegen das Mobbing richten sich die Verteidiger, etwa 20 bis 30 Prozent der Schüler. Sie schreiten aktiv ein und stellen sich auf die Seite des Opfers. Im Klassenverband sind diese Kinder bzw. Jugendlichen meist hochgeschätzt. Zur Anti-Mobbing-Gruppe zählen aber auch die etwa 20 bis 30 Prozent Außenstehenden. In der Regel lehnen diese das Mobbing zwar ab, unternehmen aber selten oder nie etwas dagegen. Neuere Studien bestätigen den Außenstehenden dennoch viel Potenzial, so dass man meinen könnte, bei dieser Gruppe fehle gar nicht viel, um sie zu Verteidigern zu machen. Aber die Verteidiger selbst haben wenig Sympathie für Außenstehende. Weil sie erleben, dass diese bei Mobbing nicht aktiv werden, dass man „mit denen keinen Blumentopf gewinnen kann“.

Susanne KochGibt es so etwas wie typische Verhaltensweisen beim Mobbing?

Mechthild SchäferTypisch ist: Kinder, die gemobbt werden, gehen morgens in die Schule und wissen genau: Irgendwann am Tag wird es passieren. Sie wissen nicht wann oder was genau es sein wird, aber sie wissen sicher, dass sie irgendwann total blöd dastehen werden – und alle anderen werden das wahnsinnig komisch finden.
Wirklich gewalttätiges Verhalten beobachten wir dabei selten. Mobbing besteht eher darin, dem Opfer zu zeigen: Du kannst machen, was du willst, wir sind stärker. Du kannst nichts tun. Das übersehen Erwachsene oft. Sie geben den Kindern gute Ratschläge, etwa ruhig und freundlich zu bleiben und die Sticheleien zu ignorieren. Oder die Situation zu verlassen. Oder sich zu wehren. Die Wahrheit ist: Es ist völlig egal, wie sich das betroffene Kind verhält, es verliert immer. Ist es freundlich, „schleimt es sich ein“, geht es weg, ist es „feige“, wird es böse, ist es „total aggressiv“. Das Ziel ist ja nicht, dem Opfer die Chance zu geben, irgendetwas richtig zu machen, sondern es fühlen zu lassen, dass es auf jeden Fall immer etwas falsch macht. Die Täter zeigen: Wir machen das einfach – und du kannst nichts dagegen tun.
Interessanterweise gibt es da auch wenige Unterschiede, wenn man Mobbing bei jüngeren oder älteren Kindern bzw. Jugendlichen und Erwachsenen betrachtet. Es geht immer um die Degradie-rung des anderen. Nur die Mittel unterscheiden sich – je nach kognitiven Fähigkeiten – und werden mit zunehmender Reife subtiler.
Eine ganz neue Dimension des Mobbings ergibt sich heute durch die „Möglichkeiten“ des Internets. Früher konnte man von der Schule nach Hause gehen und sich erholen, heute folgen die Schikanen nach Hause. Mobbing kann nun immer, rund um die Uhr stattfinden – und das, egal, ob das Opfer online ist oder nicht. Allein das Wissen um das, was passiert und wie vernichtend es sein kann, demoralisiert mit hoher Geschwindigkeit, kostet mitunter den Lebensmut.

Susanne KochSie sprechen in Ihren Arbeiten von starken und schwachen Situationen. Was ist damit gemeint?

Mechthild SchäferIn einer starken Situation verhalten sich Menschen entsprechend ihren Werten und den gegebenen Bedingungen. Wird zum Beispiel jemand geschlagen oder verletzt, folgen die meisten Menschen dem Impuls zu verteidigen oder zu helfen und reagieren somit – mit wenig Varianz – in Richtung des erwarteten Verhaltens.
In einer schwachen Situation hingegen wird das Geschehen durch soziale Prozesse und Gruppen-dynamiken überlagert. Wir haben bereits über die Rollverteilung bei Mobbing-Prozessen gesprochen. Diese ist – solange nicht interveniert wird – sehr stabil. Wenn nun das Opfer schikaniert wird, handeln die Umstehenden entsprechend ihrer Rollen, ohne bewusst die Situation zu reflektieren und eine Entscheidung zu treffen. So kommt es, dass Kinder, die in einem anderen Zusammenhang sofort einschreiten würden, bei Mobbing in ihrem Klassenverband einfach daneben stehen und zuschauen – oder gar mitmischen.
Ich erinnere mich etwa, dass mein Sohn während der Grundschulzeit einmal ein Mobbing-Opfer, mit dem ich arbeitete, kennenlernte. Er hörte sich die Geschichte dieses Mädchens an – und war entrüstet. Was das denn für eine Schule sei? Und was für schreckliche Mitschüler? Wie kann es sein, dass keiner was unternimmt, wenn sie so mies behandelt wird? Dabei hat er nicht realisiert, dass zur gleichen Zeit auch in seiner eigenen Klasse Mobbing stattfand. Wir haben also auf der einen Seite die natürliche Empfindung, dass das so nicht in Ordnung ist, auf der anderen Seite aber die Regeln des Systems.

Susanne KochAlso sind starke Situationen der Zielzustand, wenn man gegen Mobbing vorgehen will.

Mechthild SchäferJa. Wir hätten schon viel gewonnen, wenn wir erreichen würden, dass Kinder in Mobbing-Situatio-nen genau hinschauen und entsprechend ihren individuellen Werten handeln, wenn sie bewusst hinterfragen würden: Wer hat von dem, was gerade passiert, einen Vorteil? Denn 70 bis 80 Prozent der Kinder sagen ganz klar: Mobbing ist fies und echt doof.
Aber natürlich ist es wahnsinnig schwer, das gewachsene Gefüge innerhalb einer Klasse zu durch-brechen. Und es ist ja auch prinzipiell richtig und wichtig, dass es dieses Gefüge gibt und wir uns entsprechend unserer Rollen in diesem verhalten. Das gibt Orientierung und Sicherheit. Nur im Falle von Mobbing nutzt eben jemand die Strukturen aus, um sich Macht zu verschaffen.

Susanne KochWäre das ein Ansatz für Interventionen?

Mechthild SchäferTatsächlich ist es für die Reduktion von Mobbing wichtig, Strukturen zu verändern. Und klar zu adjustieren, welche Verhaltensweisen an der Schule erlaubt sind und welche nicht. Noch wichtiger ist allerdings, dass die effizienteste Intervention immer die ist, die aus der Klasse selbst kommt.
Häufig richtet sich der Blick von Pädagogen und Schulpsychologen zunächst auf die Opfer. Die Experten „wissen“, wie typische Opfer aussehen, und warum sie von ihren Mitschülern gemobbt werden. Aber sie vergessen, dass sie die Kinder meistens erst dann so genau betrachten, wenn Mobbing schon in vollem Gange ist – und dass die „typischen Mobbing-Opfer“ vorher vielleicht gar keine zurückgezogenen Außenseiter waren. Dabei wird Kausalität falsch herum gedacht. Wer sich einmal tief gehend mit Mobbing beschäftigt hat oder es selbst erlebt hat, weiß, dass es den stärksten Charakter und auch einen sehr gesunden Selbstwert heftig unterminieren oder gar pul-verisieren kann.
Gute Mobbing-Prävention und -Intervention setzen nicht am Opfer und dessen Eigenheiten an. Ganz deutlich wird das übrigens auch bei den extremen Fällen, in denen ein Kind zu seinem Schutz aus dem Klassenverband herausgenommen wird. Oft sucht sich die Klasse dann relativ schnell das nächste Opfer. Denn dieses wird gebraucht, damit das etablierte Mobbing-System weiter funktioniert. Das ist ein klarer – wenn auch indirekter – Hinweis darauf, dass es nicht an dem Kind selbst liegt, wenn es gemobbt wird. Es ist lediglich ausgewählt worden. Und es hätte genauso ein anderes Kind treffen können.

Susanne KochSinnvolle Interventionen versuchen also, das Verhalten anderer Protagonisten zu verändern.

Mechthild SchäferEin neuerer Ansatz, den wir untersuchen werden, beinhaltet eine Sensibilisierung und Aktivierung der Außenstehenden. Wie erwähnt, sind diese oft nur einen kleinen Schritt davon entfernt, etwas gegen Mobbing zu tun. Wir wollen herausfinden, was sie blockiert und wie diese Barrieren aus dem Weg geräumt werden können. Wenn wir es schaffen, die Verteidiger zu motivieren, die Außenstehenden ins Boot zu holen, wenn also Außenstehende mit den Verteidigern zusammenar-beiten, dann ist der größte Teil der Klasse gegen Mobbing. Und diese Verschiebung der Mehrheiten sollte die Dynamik in der Gesamt- und auch in der Pro-Mobbing-Gruppe verändern.

Susanne KochWie gut können Lehrer einschätzen, ob in ihrer Klasse Mobbing stattfindet?

Mechthild SchäferIch denke, viele könnten Mobbing sehen und erkennen. Voraussetzung ist aber, dass Lehrer es sehen wollen und sich auf diesen Gedanken einlassen. Lehrer sind Experten für Pädagogik, aber sie können nicht überall sein. Daher müssen sie sich mitunter Informationen da beschaffen, wo sie umfassender vorliegen – bei ihren Schülern. Dieser Gedanke gefällt nicht allen Lehrern.
Und natürlich ist da das ungute Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, wenn Mobbing in der eigenen Klasse auftritt. Dazu kann man sagen: Mobbing ist ein ganz normales Gruppenphänomen, dass in hierarchischen Strukturen auftritt. Jede Klasse weist die typische Rollenverteilung auf. Das heißt, jede Klasse ist zu Mobbing in der Lage. Und es ist kein Fehler des Lehrers, wenn Mobbing auftritt. Aber wenn es auftritt, ist es die Aufgabe des Lehrers, etwas dagegen zu unternehmen. Und wenn man nicht weiß, was, dann ist es positives Modellverhalten und echte Kompetenz, sich bei Kollegen Hilfe zu holen. Es ist so wichtig, frühzeitig zu intervenieren bzw. präventiv mit den Schülern zu arbeiten. Denn wenn in einer Klasse Mobbing stattfindet, hat nicht nur ein Kind hat ein Problem – die ganze Klasse hat eines. Alle sind betroffen – und kein Kind gewinnt dabei.